Entwickler-Latein 1: Valider Quellcode
Samstag, 4. November 2006 von Tobias Kivelip
Wie ist dieser Quellcode aufgebaut?
(x)Html ist eine sogenannte Auszeichnungssprache (oder auch Seitenbeschreibungsprache, engl. Markup Language). Mit Hilfe von (x)Html bestimmen wir die Grundlagen jeder Webseite (möglichst semantisch korrekt). Wir definieren beispielsweise, dass ein Text eine Überschrift darstellen soll oder definieren Listen (oder Links, Bilder, etc). Es handelt sich bei (x)Html nicht um eine Programmiersprache. Wir können mit (x)Html nicht rechnen oder Programmabläufe darstellen.
(x)Html bedient sich so genannter Tags zur Auszeichnug der Inhalte. Tags werden in spitze Klammern eingeschlossen (<...>) und geben den Inhalten eine semantische Bedeutung.
Jeder heutige Browser weist diesen Tags automatisch bestimmte Formatierungen zu, so sind Überschriften immer Größer als Fließtexte, Listen haben Listenzeichen (z.B Kreise, Striche, Quadrate) und Links werden häufig unterstrichen. Diese Stile nennen wir Browser-Styles. Der Webentickler hat jedoch eine genaue Kontrolle über das Aussehen der Stile mit Hilfe von eigenen Cascading Style Sheets (CSS).
Im Gegensatz zu (x)Html bestimmen die CSS nicht die Bedeutung des Inhalts, sondern das Aussehen, also die eigentliche Ausgabe im Browser. So kann eine Überschrift eine bestimmte Farbe oder Schriftart haben, ein Link ist vielleicht unterstrichen, einzelne Wörter können fettgedruckt erscheinen. Die CSS-Anweisungen notiert man am besten in einer separaten Datei, die dann in jede (x)Html-Seite eingebunden wird. Dabei bestimmen wir zuerst das Tag das wir Formatieren wollen und legen dann bestimmte Attribute fest (z.B. "color: blue;" => Schriftfarbe blau). Es gibt noch jede Menge weiterer Möglichkeiten Elemente zu Formatieren, da es hier aber nur um das Grundprinzip geht, will ich diese nicht alle aufführen (damit wäre ich lange beschäftigt, denn dieses Thema füllt ganze Bücher!).
Was ist denn jetzt valider Quellcode?
Für das Aufstellen solcher Anweisungen gibt es - wie für alles - bestimmte Regeln. Diese werden vom W3C (World Wide Web Consortium) definiert. Ziel ist es einen einheitlichen Standard festzulegen. Valider Quellcode bedeutet nichts anderes als diese Regeln des W3C einzuhalten.
Wieso gibt es nicht-validen Quellcode?
Vor nicht all zu langer Zeit herrschte am Mark ein sogenannter "Browserkrieg". Damals haben Microsoft (Internet Explorer) und Netscape (Netcape Navigator) um den Browsermarkt gekämpft. Jeder hat versucht den besten Browser mit dem größten Funktionsumfang zu entwickeln. Dabei wurden die Standards des W3Cs wenig berücksichtigt. Um möglichst alle Internetseiten korrekt darzustellen, waren die Browser sehr Fehlertolerant (was heute durch den sogennanten Quirks-Modus immernoch gegeben ist). Es war (bzw. ist) dadurch möglich Webseiten zu erstellen, die die definierten Regeln nicht befolgen und trotzdem korrekt die Inhalte anzeigen. Zusätzlich haben die Browserhersteller versucht durch properitäre Tags mehr zu bieten als die Konkurenz. Die Folge davon war natürlich ein Wildwuchs an Anweisungen, die bis heute nicht in allen Browsern (und nicht mal in allen Versionen eines Browsers) unterstützt werden.
Warum sollte der Quellcode valide sein, er wird doch auch so richtig angezeigt?
Eine Menge Gründe sprechen für einen validen Quellcode. Zunächst sollte man die Ideologie der Standardisierung berücksichtigen. Betrachten wir als Beispiel mal normales Papier in der Größe DIN A4 (Deutsche Industrie Norm). Stellen Sie sich einfach mal vor, jeder Hersteller würde sein eigenes Papierformat auf den Markt werfen und Sie müssten Papier für Ihren Drucker kaufen. Sofern Ihnen die Arbeit mit einem Maßband und einer Papierschere unbehagen bereitet, hätten Sie jetzt ein Problem, denn Sie müssten genau das richtige Papier finden, dass in Ihren Drucker passt. Im Internet besteht für die Entwickler bis heute genau dieses Problem. Der Quellcode muss von seiten der Programmierer genau auf die verschiedenen Browserversionen angepasst werden. Glücklicherweise versuchen die Browserhersteller heutzutage die Standards einzuhalten (mit immernoch einer Menge Fehlern, insbesondere der Internet Explorer bereitet vielen Entwicklern auf Grund des fehlerhaften Boxmodells Kopfschmerzen).
Ein wichtiger Punkt ist auch die maschinelle Auswertbarkeit der dargestellten Informationen. Auch wenn Sie als sehender Mensch eine korrekter Dartsellung der Webseite wahrnehmen, sind diese Infomationen für Maschinen nicht unbedingt klar. Einige Menschen sind auf besondere Hilfsmittel angewiesen um sich im Internet zu bewegen. So können sich sehbehinderte Menschen beispielsweise Webseiten vorlesen lassen. Das funktioniert jedoch nur bei validem und semantischem Quellcode (z.B muss ein fettgedrucktes Wort stärker betont werden - benutzt der Entwickler hier ein falsches Tag, ist dies nicht mehr möglich). Auch Suchmaschinen müssen den Quellcode automatisch (mit Hilfe so genannter Robots) auswerten können und die Textinformationen entsprechend Gewichten. Ein Wort innerhalb einer Überschrift ist zum Beispiel wichtiger als ein Wort innerhalb eines Fließtextes. Im Zuge der Suchmaschinenoptimierung ist valider Quellcode daher unumgänglich.
Weitere Gründe sind:
- Wartbarkeit
- Zukunftssicherheit
- Valider Quellcode als Qualitätsmerkal
- Argumentationsgrundlage im Streitfall
Woran erkenne ich nicht-validen Quellcode?
Es gibt eine einfache Möglichkeit Quellcode auf seine Validität zu prüfen. Unter der Adresse validator.w3.org stellt das W3C einen (x)HTML-Validator bereit, der den Quellcode überprüft und entsprechende Fehlermeldungen ausgibt. Unter jigsaw.w3.org/css-validator findet man das entsprechende CSS Gegenstück.
Fazit
Valider Quellcode ist eine Grundvoraussetzung für eine qualitativ hochwertige Webseite. Barrierefreiheit, Wartbarkeit und Suchmaschinenoptimierung bauen zwangsläufig auf eine gute Quellcode-Struktur auf. e8media hält sich konsequent an die Standards des W3Cs und garantiert Ihnen so die bestmögliche Qualität Ihrer Webseite.
Leider sieht dies im Internet derzeit häufig anderes aus. Selbst große Agenturen handeln oft nach dem Credo "erlaubt ist was funktioniert" und ignorieren dabei die Standards des Internet. Aus persönlicher Erfahrung in der Zusammenarbeit mit anderen Agenturen konnte ich mir ein Bild von diesen Arbeiten machen, was in mir teilweise das Verlangen zu Tage legte, mit dem Kopf gegen die Wand zu hauen.
Diese unprofessionellen Techniken sind nicht nur schlecht für den Kunden, sondern hemmen auch die Entwicklung des Internet insgesamt, denn warum sollen sich Browserhersteller an Webstandards halten, wenn die Entwickler es nicht tun. Ebenso hätten properitäre Quellcodeelemente keine Chance, würden die Entwickler sie nicht benutzen.
Kommentare
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Von Rudi am 20. November 2006
Toller Artikel, der mir sehr geholfen hat, da ich gerade Probleme mir meiner Agentur habe. Eventuell komme ich nach Klärung der jetzigen Verhältnisse auf Sie zurück.
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Von Oliver Meding am 23. November 2006
Vielen Dank für die Komplimente! Hört man gerne... besonders unser Autor & Entwickler Tobi!
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